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31. Ausgabe 2019 (31. Juli 2019)

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Mittwoch, 31. Juli 2019 | Seite 18–19 So feiern andere Länder ihren Nationalfeiertag Schon die verschiedenen Namen verraten es: Nationalfeiertage werden in Europa ganz unterschiedlich begangen. Als Fest der Republik, als Tag der Einheit des Landes oder seiner Sprache, als Geburtstag des Königs oder als Erinnerung an den Sturm des Volkes gegen seine Herrscher. Der FRIDOLIN nimmt Sie mit auf eine kleine Feiertagstour. © Cezary Piwowarski/CC BY-SA 2.0 © Ecole polytechnique /CC BY-SA 2.0 © Ibagli/ Public Domain Deutschland «Einigkeit und Recht und Freiheit ...» Diese drei zentralen Begriffe aus dem Lied der Deutschen stehen beim Tag der Deutschen Einheit zuoberst auf der Tagesordnung. Zusammen mit der «Fahne der Einheit». Sie ist mit sechs mal zehn Metern die grösste offizielle Flagge Deutschlands und sie weht seit dem 3. Oktober 1990 als nationales Denkmal zur Wiedervereinigung vor dem Westeingang des Reichstagsgebäudes in Berlin. Denn die Wiedervereinigung von Deutschland gilt heute als neuer historischer Bezugspunkt – sie war nach 40 Jahren der Trennung der Aufbruch in ein neues Deutschland. Die offizielle Feier zum Tag der Deutschen Einheit dagegen findet nicht, wie man meinen könnte, jedesmal in Berlin beim Reichstagsgebäude statt, sondern jeweils in der Landeshauptstadt jenes Bundeslandes, welches zu dem Zeitpunkt den Vorsitz im Bundesrat hat – 2019 wird also in Kiel, der Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein, ge feiert. Auch am Brandenburger Tor in Berlin sowie in weiteren Städten und Orten finden Feiern statt – u. a. mit Konzerten, Partys und dem Tag der offenen Moschee. Auf der Galopprennbahn Hoppegarten in Berlin findet dann auch ein Pferderennen statt, bei dem es den «Preis der Deutschen Einheit» zu gewinnen gibt. Wie hoch allerdings der Preis der Wiedervereinigung war, darüber gehen die Meinungen aus - einander. Frankreich Sie wird in den umliegenden Ländern gerne die «Grande Nation» genannt, und auch wenn der Begriff in Frankreich selbst vor allem mit Bezug auf die Napoleonische Zeit verwendet wird, so zeigt Frankreich ein gesundes nationales Selbstbewusstsein, was jeweils am 14. Juli bei der Truppenparade auf der Avenue des Champs-Elysées besonders augenscheinlich wird. Galauniformen mit Kokarden in den Farben der Trikolore, blanke Säbel und der Präsident, der sich zusammen mit den höchsten Offizieren im Militärjeep zeigt, die Patrouille de France, welche mit ihren Alpha Jets über die Stadt donnert, das Feuerwerk am Eiffelturm, die Bälle, welche von der Feuerwehr ausgerichtet werden, all das macht Paris am Quatorze Juillet zum Magneten der Feierlichkeiten. Denn hier ereignete sich am 14. Juli 1789 der Sturm der Menschenmenge auf die verhasste Bastille – ein Ereignis, welches in der Folge zum wahren Mythos für den Kampf gegen Despoten wurde. Natürlich wollen auch alle anderen Städte und Regionen Frankreichs am Nationalfeiertag nicht zurückstehen, viele feiern deshalb bereits in der Nacht zum 14. Juli ausgiebig. Grossbritannien Es ist kaum zu glauben: Ausgerechnet das Land, wo «Pomp and Circumstance» komponiert wurde, hat gegenwärtig überhaupt keinen eigenen offiziellen Nationalfeiertag. Zwar hatte in den 2000er-Jahren die Labour Party konkrete Vorschläge eingebracht, aber als die konservativ-liberale Regierung 2011 den Anfang Mai begangenen Feiertag in den Oktober verlegen wollte, stellten sich die britischen Gewerkschaften quer – da dadurch der Tag der Arbeit als Feiertag aufgelöst worden wäre. Nicht weniger als elf verschiedene Daten werden derzeit als mögliche Daten für den Britain Day diskutiert – vom 24. März, als Jakob I. England, Schottland und Irland zum ersten Mal vereinigte, über den 1. Mai, als England und Schottland 1707 durch den «Act of Union» zum Vereinigten Königreich verbunden wurden, bis zum 11. November, der zur Erinnerung an das Ende des Ersten Weltkrieges begangen wird. Doch England wäre nicht England, wenn es nicht feiern würde: Es begeht den offiziellen Geburtstag der Queen. Nicht etwa an ihrem tatsächlichen Geburtstag, dem 21. April, sondern an einem jährlich neu festgelegten Datum meist Ende Mai oder Anfang Juni. Das macht man u. a., weil es im April oft noch zu kalt für eine Parade wäre und weil es ja immer wieder andere Monarchen mit anderen Geburtstagen gibt. Dieses Jahr war es der 8. Juni, nächstes Jahr ist es der Samstag, 13. Juni. Verstehe einer die Briten ... © Albarubescens/CC-BY-SA 4.0 © Copyright: Nikater/ Public Domain © Stb1er/CC BY-SA 4.0 Italien Am 2. Juni 1946 stimmte die Mehrheit der Italiener für die Einführung der Republik – und schaffte damit, am letzten Nationalfeiertag des Königreichs Italien, die Monarchie ab. Zudem steht der 2. Juni auch für die volle politische Einbindung der Frauen in den politischen Prozess, denn zum Referendum und zu den Wahlen der verfassunggebenden Versammlung waren erstmals auch die Frauen zugelassen. Seit 1948 wird an der Festa della Repubblica jeweils vormittags bei den Kaiserforen in Rom eine Militärparade zu Ehren der Republik abgehalten, wo die uniformierten Corps der Republik ihre schönen Uniformen präsentieren – mit dabei sind neben Armee, Luftwaffe und Flotte auch der Zivilschutz, das Rote Kreuz, die Feuerwehr, die Veteranen sowie die Carabinieri und weitere Polizeikräfte. Die italienische Kunstflugstaffel Frecce Tricolori überfliegt die Foren und es wird ein Lorbeerkranz am Grabmahl des unbekannten Soldaten niedergelegt. Am Nachmittag dann strömen jeweils 20 000 Römerinnen und Römer in die Gärten des Quirinalspalastes, wo der Präsident der Republik seinen Amtssitz hat. Für sie spielen Polizei- und Militärorchester zur Unterhaltung auf – und die Corazzieri (wörtlich das Kürassierregiment), die Leibgarde des Staatspräsidenten, zeigt sich in ihrer «grossen» Uniform, die für den Quirinalsdienst vorgeschrieben ist, inklusive des golden schimmernden Helmes. Auch andere Städte und Kommunen Italiens begehen die Festa della Repubblica. Fürstentum Liechtenstein Im Zentrum der liechtensteinischen Feierlichkeiten zum Staatsfeiertag steht – wie könnte es anders sein – der Fürst. Seit 1990 findet der offizielle Staatsakt auf der Schlosswiese neben dem Schloss Vaduz statt, wo sich die Fürstenfamilie unter das Volk begibt. Denn hier brachte das Volk 1939 dem Fürsten Franz Josef II. seine Huldigung dar und hier huldigte es 1990 auch dem regierenden Fürsten Hans-Adam II. Einerseits erinnert der Tag an den Geburtstag von Franz Josef II., den 16.August. Bei der Festlegung des Feiertages spielten aber auch ganz praktische Überlegungen mit, denn nach dem Tod von Franz Josef II. im Jahr 1989 wurde der Staatsfeiertag auf den 15. August festgelegt, also auf das Fest Maria Himmelfahrt. Einiges am Volksfest, das im Vaduzer Städtle ab 14.00 Uhr über die Bühne geht, erinnert an die 1.-August-Feiern in der Schweiz, etwa die Fackelzüge, die Höhenfeuer, die patriotischen Ansprachen und das Singen der Volkshymne «Oben am jungen Rhein ...» zur Melodie von «God save the Queen», die ja vor dem Schweizerpsalm mit dem Text «Heil dir, Helvetia» auch in der Schweiz als Nationalhymne gesungen wurde. Anderes etwa – wie die Verehrung der Fürstenfamilie – ist typisch liechtensteinisch. Nicht zuletzt die Bezeichnung des Tages, die sich nicht auf eine Nation bezieht, sondern auf die Feier des Staates. Österreich Unser Nachbarland war schon immer eine Nation der feinen Unterschiede. An seinem Nationalfeiertag, dem 26.Oktober, feiert es einerseits die 1955 beschlossene immerwährende Neutralität und andererseits den Abzug der letzten Besatzungsmächte und damit die Wieder - erlangung seiner Souveränität. Von 1956 bis 1964 feierte man diesen Abzug als «Tag der Fahne» am 25. Oktober, dann gewichtete der Ministerrat die Neutralität stärker und verschob die Feier um einen Tag auf den 26. Oktober. Seit 1965 ist dies der österreichische National - feiertag. Am Vorabend spielen die Wiener Symphoniker jeweils ein Konzert unter einem Gastdirigenten aus einem anderen Land und unter dem Ehrenschutz des Bundespräsidenten. Am Tag selber gibt es – seit 1995 – auch Paraden oder Leistungsschauen. Diese waren zuerst «ohne Kriegsgerät» vorgesehen, sie werden heute aber als «Leistungsschau» am Wiener Heldenplatz und in den Landeshauptstädten auch mit Panzern, Hubschraubern von bewaffneten Einheiten und Sportlern begangen. Zudem begehen die Österreicherinnen und Österreicher den Tag unter dem Motto «Fit am Nationalfeiertag» auch als einen Tag des Breitensports. Ihre «alte» Hymne, das Kaiserlied von Joseph Haydn, mussten sie an Deutschland abgeben. Statt «Gott erhalte Franz den Kaiser» heisst es in der neuen Bundeshymne jetzt: «Land der Berge, Land am Strome ...». Auch ihr Text wurde bereits zweimal redigiert.

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