Aufrufe
vor 4 Wochen

38. Ausgabe 2018 (20. September 2018)

  • Text
  • Glarus
  • Telefon
  • September
  • Schwanden
  • Glarner
  • Glarnerland
  • Kanton
  • Nord
  • Gemeinde
  • Mollis

Donnerstag,

Donnerstag, 20. September 2018 | Seite 10 Interview mit Sepp Schwitter Die Gabe, lebendig zu erzählen Sepp Schwitter wohnt einen Steinwurf vom Näfelser Fahrtsplatz entfernt, wo Jahr für Jahr durch seine Stimme das Schlachtgeschehen von damals lebendig wird. Hier – wo man einen Blick auf das Kloster von Näfels und hinauf zum Mürtschengebiet geniesst – hat ihn der FRIDOLIN besucht und mit ihm über die Vergangenheit und seine Zukunftspläne ge sprochen. Sepp Schwitter auf seiner Terrasse in Näfels: «Ich wünschte allen, dass sie so wohnen könnten wie ich.» (Foto: FJ) Sie sind engagiert, vielseitig interessiert und omnipräsent. Was treibt Sie an? Eigentlich die Freude, im Glarnerland etwas mitzubewirken, wie an der Führung, die ich gerade machte, an der ich Freude an seiner Geschichte wecken konnte. Es ist diese Mischung aus Land- und Alpwirtschaft und hoher Industrialisierung, der kon - fessionellen und politischen Zwei - teilung: Das Wissen um diese Gegensätze will ich weitergeben. Ich war früh in Vereinen dabei, wo ich zusammen mit anderen einiges bewirken konnte. Heute aber gilt meine Präsenz in vielem meinen Grosskindern. Ihre Meinungen und Anliegen finden Gehör. Wie schaffen Sie das? Da müsste ich eigentlich jene fragen, die mir Gehör schenken. Ich bin überrascht, dass ihr vom FRIDOLIN auf mich gekommen seid, bin ich doch eher der zurückgezogene Typ, aber wenn mich etwas packt, dann setze ich mich dafür ein. Wie hoch die Gegensätze auch sein mögen, ich bin überzeugt, dass wir alle dasselbe Fundament haben. Leserbriefe schreibe ich zwar fast keine mehr, aber ich engagiere mich – etwa in der Alz - heimervereinigung. Dort sehe ich, was andere zu erleiden haben, und erfahre, dass man das Problem nicht als Einzelfall anschauen, sondern es in die Gesellschaft hinein nehmen und dort gemeinsam angehen sollte. Denn Probleme bleiben nicht allein, sondern sind immer mit anderem verbunden. Welches Ihrer vielschichtigen Projekte liegt Ihnen besonders am Herzen? Was mir wirklich am Herzen liegt, sind die Grosskinder mit ihren Eltern. Aber das sind keine Projekte. Und meine Freude an der Mundart. Die Sprache, auch die geschriebene, war mir immer wichtig – und dass man darauf achtet. Gerade habe ich ein Schriftstück transkribiert, das ein Hauser über die Zeit der Verfassungswirren geschrieben hat. Er ist 1779 geboren und starb 1881. Die Hauptsorge dieser Leute war es, zu überleben. Zu essen und zu trinken zu haben und sich gegenseitig beizustehen. Heute ist es selbstverständlich, dass die Grundbedürfnisse befriedigt sind, und man weiss nicht mehr, dass dies das Wichtigste ist und es uns so gut geht wie nie zuvor. Wer, wie Sie, öffentlich die eigene Meinung sagt, braucht Mut. Was noch? Wie soll ich sagen – die Gabe, es so zu sagen, dass jene, die man an - sprechen will oder die man auf einen anderen Weg bringen möchte, es auch annehmen können. Diese denken vielleicht anders und haben oft nicht ganz unrecht – man soll also die eigene Meinung nicht von vornherein als alleinseligmachend anschauen. Gut, wenn man die Gabe hat, so reden und die Worte spontan so sagen zu können, dass sie nicht verletzen – eben so, dass der andere sie annehmen kann. Sie haben vieles bewegt und gestaltet. Gibt es noch Pendenzen? Ich möchte noch eine Geschichte der Näfelser Fahrt schreiben, da habe ich mich bereits eingelesen, Unterlagen gesammelt und im Bundesbriefarchiv recherchiert. Dann dieser Hauser- Text, das sind Sachen, die ich noch erledigen möchte. Ich will etwas beitragen zur Ökumene, auch als Kirchen schatzkustos, und dabei zeigen, dass die Reformation Gutes bewirkt hat. Eigentlich wollte ich auch noch das von mir verfasste «Das Glarnerland – ein Kurzporträt» aktualisieren. Jetzt bin ich daran, einen Audio- Guide für den Glarner Kirchenschatz zu erarbeiten. Zudem wäre es schön, diese Ausstellung neu zu gestalten, sodass sie dem Audio-Guide entspricht. Ausserdem lektoriere ich Texte für andere Autoren oder gebe Auskunft bei Fragen zu unserer Mundart – das mache ich gerne, denn ich gehöre auch der «Academia Glaronensis» an. Wenn Sie Gemeindepräsident von Glarus Nord wären, würden Sie ...? Ja, was würde ich ... Wo würde ich Schwerpunkte setzen? Viele Auf - gaben in der Gemeinde sind ja einfach weiterzuführen. Aber ich würde für eine Art «politische Ökumene» sorgen. Der jetzige Präsident will dies ja ebenfalls und in die Ortschaften hinausgehen. Heute müssen die Leute – auch in schwierigen Lebenssitua - tionen, etwa wenn ihr Lebenspartner stirbt – nach Niederurnen gehen. Ich würde versuchen, in den Dörfern wieder Strukturen zu schaffen. Vor allem versuchte ich, ein Ansprechpartner zu sein und nicht einfach der oberste Boss – und hoffte, nach einer Niederlage das von der Mehrheit Beschlossene zu akzeptieren und bestmöglich umzusetzen. Zudem würde ich dafür schauen, dass die Parteien besser miteinander reden – es ist nicht gut, wenn sie sich auf ihre Meinung versteifen; das blockiert die Debatte. Deshalb würde ich mehr Offenheit gegenüber anderen Meinungen anstreben. Aber aus der Politik habe ich mich zurückgezogen – ich war CVP-Präsident in Glarus und dort 13 Jahre im Ge - meinderat. Im Landrat war ich Pro - tokollführer, dies danach noch für ein Projekt in der Gemeinde Glarus. Aber eben – machen muss ich politisch in meiner Heimatgemeinde nichts mehr, ausser an Wahlen und Abstimmungen teilzunehmen. Sind Sie ein typischer Glarner? Ja; das würde ich sagen. Ich rede Glarner Mundart, das merkt man sofort. Ich sage immer: Wir sind im Glarnerland im Paradies zuhause. Ich kenne die Glarner Geschichte gut – wenn mich dazu jemand etwas fragt, sage ich eher zu viel als zu wenig, bin eben auch Mitglied des Vorstandes des Historischen Vereins. Ich kenne alle Gemeinden im Kanton und war schon überall am «Gwünderen». Ich mache Führungen durch den Freulerpalast und zeige nicht nur das schöne Haus, sondern will im Ausstellungsbereich Begeisterung für das Glarnerland und seine Geschichte sowie für die Landsgemeinde wecken. Seit der 4. Klasse habe ich krankheitshalber nur zwei von ihnen verpasst. Ich war auch auf dem Tödi, aber noch nie auf dem Vrenelisgärtli. Auf dem Vorderglärnisch war ich öfter, auch mit meinen Kindern. Erstaunlich: Von dort geht es auf ein paar Hundert Metern Luftlinie von 2300 Metern auf 400 Meter und dann von Glarus zum Meer auf vielen Kilometern nur noch 400 Meter hinunter. Wenn nicht in Näfels, wo würden Sie gerne wohnen und warum? In Glarus habe ich mich immer wohlgefühlt, die Stadt bleibt eines meiner Lieblingsgebiete. Bei meinen Stadtführungen verweise ich auf die eindrückliche Bewältigung des grossen Brandes von Glarus mit dem immer Staunen machenden Wiederaufbau in nur drei Jahren. Glarus muss verjüngt aus einer Asche erstehen, sagte man, und baute auf politisch, architektonisch, ja sogar konfessionell faszinierende Weise anstelle des einstigen Fleckens eine völlig neue Stadt! – Ich würde wieder nach Glarus ziehen, auch in die Nähe des Vorderglärnisch, des für mich schönsten Berges. Wie begeistern Sie auswärtige Freunde und Bekannte für das Glarnerland? Zuerst einmal mit meiner Führungs - tätigkeit – in Glarus und in Näfels. Was mich als Katholik freut: dass ich von der evangelischen Kirch - gemeinde von Glarus angefragt werde, wenn es darum geht, durch die Stadtkirche zu führen und die Reformationsgeschichte sowie die simultane Nutzung der Kirche zu erklären. Das zieht sich durch alles, auch im Glarner Kirchenschatz, wo Huldrych Zwingli bereits reformatorische Spuren hinterliess. Das fasziniert – auch dass, wegen der einst verschiedenen Kalender, die Kirche an Feiertagen von jeder Konfession für sich allein genutzt werden konnte. Dann unsere Sozial- und Fabrikgesetze – schon 1916 ein AHV-Gesetz – und der Wert der Landsgemeinde, dass an ihr jede stimmberechtigte Person einen Entscheid direkt beeinflussen kann – das gibt es nirgends sonst. Denn wir können «Ja, aber ...» sagen, nicht nur zustimmen oder ablehnen. Auch die wunderschöne Landschaft, Klöntal, Obersee, die Berge – da komme ich jeweils fast ins Bluffen. Welchen Rat erteilen Sie den nachfolgenden Generationen bezüglich Wohnen, Leben und Arbeiten in Glarus Nord? Im Bezug auf das Leben: Dass sie für sich und ihre Umgebung, die Nachbarn usw. Verantwortung übernehmen und Anteil nehmen, sie sich nicht zurückziehen, sondern sich engagieren und Türen öffnen. Zum Schaffen: Dort zu arbeiten, wo man lebt, damit man bei der täg - lichen Arbeit eingebunden ist in die Gesellschaft, in der man lebt. Das ist jetzt für viele nicht möglich, aber es wäre ein grosser Wert, weil man so die Region samt ihren Einwohnern Mitträgt und mitprägt; tägliches Miteinander- Arbeiten geht über Lohn und Erwerb hinaus. Zum Wohnen wünschte ich allen, dass sie so wohnen könnten wie ich mit meiner Frau; da habe ich fast ein schlechtes Gewissen. Ich hoffe, dass man auch in einem Mehrfamilienhaus die unterschiedlichen Bedürfnisse akzeptiert und offen sagt, wenn einen etwas trifft, ohne gleich mit dem Rechtsanwalt zu drohen. Dass man miteinander spricht und einander zuhört – und man sich bewusst ist, in einem schönen Land zu leben, in welchem die Regeln überall und für alle gelten. ● FJ Glarner Handelskammer Blockchain-Referate im «Glarnerhof» Am Donnerstag, 13. September, referierten Professor Dr. Thomas Bocek von der Hochschule für Technik Rapperswil und Alessandro De Carli, Gründer von Papers.ch, im Hotel Glarnerhof, Glarus, zum Thema Blockchain und Kryptowährung. Rauchende Köpfe beim Blockchain-Referat vor der Glarner Handelskammer. Bitcoin, Blockchain oder Kryptowährung – was steckt hinter diesen Begriffen? Um Licht in die komplexe Thematik zu bringen, luden die Glarner Handelskammer und NüGlarus Professor Dr. Thomas Bocek zu einem Referat ein. Bocek sprach über die zwei grossen Kryptowährungen Bitcoin und Ethereum und über deren Vor- und Nachteile. Digitale Wäh - rungen bei Handelstransaktionen und kryptografisch abgesicherte Verkettungen zu Blöcken (Blockchains) seien keine komplett neue Techno - logie, dennoch seien auch digitale Währungssysteme von Schwankungen und Konkursen beeinflusst. Sein Tipp an die Glarner Zuhörerschaft: Nur mit so viel Geld einsteigen, wie man im schlimmsten Fall auch zu verlieren bereit ist. Der zweite Referent, Alessandro De Carli, betonte die (Foto: jhu) Transparenz im Zahlungsverkehr, welche Kryptowährungen ermög - lichen. «Jede Transaktion, aber auch andere Änderungen können immer zu rückverfolgt werden.» Zudem könnten damit beim Handel oder Transport von Waren und Dienstleis - tungen auch zusätzliche Abmachungen klar definiert werden, was es erlaube, Tausch und Handel klar zu verifizieren und zu automatisieren. Im Verlauf der Referate zeigte sich die Komplexität von zahlreichen Aspekten der Blockchain, was anschliessend genügend Stoff für angeregte Diskussionen gab. ● Jürg Huber, Pressebeauftragter Glarner Handelskammer INSERATEN-ANNAHME ) 055 6474747 * fridolin@fridolin.ch PRO SENECTUTE GLARUS Seniorenkino im «Wortreich» Am letzten Montag im Monat ist jeweils Seniorenkino von PRO SENECTUTE GLARUS in der Buchhandlung Wortreich in Glarus. Eine Stunde vor Filmbeginn öffnet die Kaffee- und Kuchenecke in der Buchhandlung und bietet den Besuchern die Gelegenheit, sich auf das Filmthema ein - zustimmen. Am Montag, 24. September (Türöffnung: 13.30 Uhr, Filmbeginn: 14.30 Uhr, Eintritt: 10 Franken), steht mit dem Schweizer Film «Höhenfeuer» ein brisantes Werk aus dem Jahr 1985 auf dem Programm. Regisseur Fredi M.Murer ist persönlich an diesem Kinonachmittag an wesend. Für die Besucher bietet sich somit die einmalige Chance, ihre Eindrücke mit dem Regisseur zu besprechen und mehr zu erfahren über seine Beweggründe, diesen Film über das Tabuthema Inzest zu produzieren. (Bildbericht: pd.)

© Fridolin Druck und Medien, Walter Feldmann AG Hauptstr. 2 CH-8762 Schwanden GL | Tel. 055 647 47 47 -Fax 055 647 47 00 -E-Mail fridolin@fridolin.ch

Öffnungszeiten Verlag und Druckerei: Montag bis Freitag 07.30 – 12.00 / 13.30 bis 17.30 Uhr

Impressum | Website by webtower.ch