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48. Ausgabe 2020 (26. November 2020)

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48. Ausgabe 2020 (26. November

AZA 8762 Schwanden Jeden Donnerstag in allen Haushaltungen Abonnement ausserhalb der Region jährlich Fr. 70.– Einzelverkauf: Fr. 2.20 Nr. 48 Donnerstag, 26. November 2020 Aus den Verhandlungen des Regierungsrates 8 +12 Die Regionalzeitung mit Amtsblatt und der Fridolin+ App Gegründet 1928 als Anzeiger vom Gross- und Kleintal Amtsblatt 17–20 Aus dem Linthgebiet 32 Auflage 32 098 Expl. WEMF/SW-beglaubigt Fridolin Druck und Medien Telefon 055 6474747 E-Mail: fridolin@fridolin.ch www.fridolin.ch LEIT-SATZ Notfalldienste Der Traum vom Wasser Ich war gerade sechs Monate alt, da zündeten die Sowjets auf der Insel Nowaja Semlja eine gewaltige Wasserstoffbombe. Ihre Druckwelle umrundete zweieinhalb Mal den Erdball, es kann also durchaus sein, dass ich im Lurigen in Glarus, wo meine Eltern damals in einem Chalet wohnten, dadurch zweimal kurz hintereinander aus dem Vormittagsschläfchen gerissen wurde. Später lernte ich in Biologie von Frau Barnet, dass alles Leben einst aus den Ozeanen kam, und in Physik versuchte uns Herr Schlüssel, in der Armee ein Hauptmann, die Knallgasreaktion vorzuführen. Dass man die gewaltige Energie, welche unsere Sonne am Brennen hält, einmal für nützlichere Zwecke als zur Auslöschung von Grossstädten verwenden könnte, war zwar ein Traum, aber ein ferner. Befeuert hatte ihn Jules Verne, der die Brennstoffzelle bereits kannte und orakelte, Wasserstoff werde die Kohle ersetzen. Dass man dereinst mit Wasserstoff ein Auto antreiben würde, war in den Siebzigerjahren Theorie. Heute – knapp 200 Jahre nach der Entdeckung der Brennstoffzelle und 40 Jahre nach meinem Physikunterricht – sind Brennstoffzellenautos die Praxis. Vor einem Monat – 59 Jahre nach der Detonation von Nowaja Semlja – hat Migros die ersten Wasserstoff-LKWs in Betrieb genommen. Sie sind so leise wie alle Elektrofahrzeuge, können aber länger fahren, weil sie ja Wasserstoff im Tank haben, mit dem sie den Strom für ihren Elektromotor gleich selbst erzeugen. Die «Bienli» stinken nicht mehr, haben mehr Nutzlast, weil sie nur eine leichte Batterie brauchen, und können mit 400 km Reichweite das ganze Land erreichen. Per Ende November soll der TOYOTA MIRAI II vom Band rollen – eine Wasserstofflimousine, die 650 km Reichweite haben soll. Die Preise bewegen sich Richtung Hybrid-Fahrzeug. Erstaunlicherweise, so könnte man sagen, haben sich viele Träume des Sciencefiction-Autors Verne heute verwirklicht. In 80 Tagen um die Welt, 20 000 Meilen unter dem Meer, 5 Wochen im Ballon, von der Erde zum Mond – damals Phantasterei, heute Realität. «Das Mögliche ist ungeheuer», schreibt Friedrich Dürrenmatt. Ja, ein bisschen un - geheuer ist dieses Zeug, das mich 1961 im Bettchen geschüttelt hat. Beim Wasserstoffantrieb ist heute ein hoher Grad von Perfektion erreicht worden. Denn japanische Ingenieure halten sich bei seiner Entwicklung nicht an Dürrenmatt, sondern an Kaizen – das Prinzip der kontinuierlichen Verbesserung. ● FJ Artur Braun plädiert für Wasserstoffantrieb. Für das Interview Fridolin+ App downloaden und Foto scannen. Physiker aus Ennenda Mit Brennstoffzellen unterwegs (Foto/Video: Ruedi Kuchen) Artur Braun ist Physiker an der Empa und lebt in Ennenda: «Mobilität ist mir wichtig, und ich fahre gerne Auto.» Er forscht an Materialien für Brennstoffzellen, Batterien und photoelektrochemischen Zellen. Seine Projekte werden hauptsächlich vom Schweizerischen Nationalfonds und der Europäischen Kommission gefördert. Braun sucht nach Möglichkeiten, elektrochemische Energiewandler und -speicher zu verbessern. Er ist überzeugt, diese bieten Chancen, den steigenden Energiebedarf mit umweltschonender Technik zu decken. In einer Brennstoffzelle reagiert Wasserstoff mit Sauerstoff, sodass elektrischer Strom fliesst. Der Wasser stoff kommt aus einem Tank, der Sauerstoff aus der Umgebungsluft. Wasserstoff stellt man mittels Elektrolyse her, dazu benötigt man Strom. Um «grünen» Wasserstoff zu bekommen, muss der Strom CO 2 - neutral hergestellt werden, zum Beispiel mit Solarzellen. Ein Tank für Wasserstoff kann zusammen mit einer Brennstoffzelle in ein Auto eingebaut werden. «So fährt das Auto umweltfreundlich, nahezu geräuschlos und aus dem Auspuff kommt nur Wasser», sagt Braun und lächelt. Zauberei? Wasser als Rohstoff, um Strom und Wärme zu gewinnen, Wasserdampf als Abfallprodukt – das tönt nach Zauberei. Braun winkt ab: «Die Empa hat sich ein Brennstoffzellenauto gekauft. Damit war ich über 3 Jahre lang in Europa unterwegs, 30 000 Kilometer, von der Schweiz nach Berlin, Brüssel, Strassburg, Luxemburg, Rotterdam, Bologna und Venedig. Problemlos.» Wenn er erzählt, gerät Braun ein wenig ins Schwärmen. Er schildert aber auch, wie nervös er wurde, wenn der Tank fast leer und keine Tankstelle für Wasserstoff in Sicht war. Das ist eine der Herausforderungen, vor welcher diese Technik für unsere Mobilität steht. Entsprechende Tankstellen sind rar, darum fahren nur wenige Autos mit Wasserstoff. Und weil es nur wenige Wasserstoffkunden gibt, hat es kaum Tankstellen. Ein «Huhn-Ei»-Problem. Zudem heben die noch tiefen Stückzahlen den Produktionspreis für ein solches Auto. Ausgereifte und bewährte Technik Was müsste verbessert werden, damit diese Probleme gelöst werden? Wie so oft verzögerten auch hier konkurrierende wirtschaftliche und politische Interessen die Popularität. Aber Braun zeigt sich zuversichtlich: «Das Prinzip der Elektrolyse ist altbekannt. Heute ist die Technik ausgereift und bewährt», und er verweist auf seine Erfahrungen, beschrieben im Sachbuch «Von der Nordsee bis Venedig: Mit Wasserstoff und Brennstoffzelle Europa ‹erfahren›». Als Speicher geeignet Bei allem Lob und aller Zuversicht – Autos mit Brennstoffzellen haben neben hohen Produktionskosten weitere Nachteile. Die Zellen enthalten das teure und seltene Platin. Es ist ein massiver Drucktank erforderlich, denn der Wasserstoff muss gasförmig unter 700-bar-Druck mitgeführt werden. Und der Wirkungsgrad solcher Antriebe kommt auf nur 50 Prozent. Bei batteriebetriebenen Elektroautos beträgt er 90 Prozent. Braun ent - gegnet, Batterien seien materialintensive und eher teure Energie - speicher, während die Brennstoffzelle eine grössere Reichweite erlaube. «Deshalb ist Wasserstoff ein guter transportabler Speicher für grosse Energiemengen. Auch als stationärer Energiespeicher ist er Batterien überlegen.» So eigne er sich als Speicher in der Stromversorgung für unregelmässig produzierten Strom aus Solarund Windkraftanlagen. Auch im Schwerverkehr, bei Schiffen und in der Industrie könne Wasserstoff fossile Energien ersetzen. «Die Abgase sind Wasserdampf. Somit tragen zum Beispiel Busse mit Brennstoffzellen zur Verbesserung der Luftqualität in verkehrsreichen Gebieten wie Städten bei.» Artur Braun engagiert sich in der europäischen Sunrise-Initiative. Dieses Grossprojekt will neuartige Technologien entwickeln, welche mittels Sonnenenergie eine Kreislaufwirtschaft aus CO 2 und Wasser antreiben und fossile Brennstoffe überflüssig machen. Solche radikalen Änderungen gehen natürlich nur, wenn sie sozialverträglich sind und von den Bürgern mit - getragen werden, betont Artur Braun. Dazu gehörten auch Autos, die mit Wasserstoff angetrieben werden. Mehr über den Wasserstoff-Last - wagen auf Seite 27. ● Fredy Bühler Hausärztlicher Notfalldienst Täglich 24 Stunden EINWOHNER GLARUS SÜD: Telefon 0844 55 66 55 EINWOHNER GLARUS: Telefon 0844 44 66 44 EINWOHNER GLARUS NORD: Telefon 0844 33 66 33 Zahnarzt Samstag, 28. November 11.00 bis 12.00 Uhr Sonntag, 29. November 11.00 bis 12.00 Uhr und 17.00 bis 18.00 Uhr Der diensttuende Notfallzahnarzt ist über Telefon 1811 zu erfragen. Augenarzt Samstag/Sonntag, 28./29. Nov. Dr. med. Sylvia Link Bahnhofstrasse 5, Wädenswil Telefon 044 780 84 44 Wochenend-Notfalldienst: ab Freitag, 12.00 Uhr, bis Montag, 08.00 Uhr. Schweizerisches Toxikologisches Zentrum Telefon 145, Zürich Tierarzt (Notfallring) Kleintiere: Samstag/Sonntag, 28./29. Nov. Tierklinik am Kreis AG Zaunweg 11, Netstal Telefon 055 646 86 86 • Wochenende ab Samstag, 12.00 Uhr, bis Montag, 07.30 Uhr. • Freitagnacht und Montagnacht: Wochenend-Notfalldienst. • Dienstagnacht: Kleintierpraxis Buchholz, Buchholzstrasse 48, Glarus, Telefon 055 640 26 40. • Mittwochnacht: Kleintierpraxis Landerer, Bahnhofstrasse 31a, Näfels, Telefon 055 622 20 20. • Donnerstagnacht: Kleintierpraxis Tierklinik am Kreis AG, Zaunweg 11, Netstal, Telefon 055 646 86 86. Grosstiere: Tierklinik am Kreis AG Zaunweg 11, Netstal Telefon 055 646 86 86 Notfalldienst für alle Tierarten Grosstierpraxis Landerer Bahnhofstrasse 31a, Näfels Telefon 055 622 22 66