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52. Ausgabe 2019 (24. Dezember 2019)

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52. Ausgabe 2019 (24. Dezember

AZA 8762 Schwanden Jeden Donnerstag in allen Haushaltungen Abonnement ausserhalb der Region jährlich Fr. 70.– Einzelverkauf: Fr. 2.20 Nr. 52 Dienstag, 24. Dezember 2019 Aus den Verhandlungen des Regierungsrates 4 Treffpunkt 9 Schatzchäschtli 13 Die Regionalzeitung mit Amtsblatt im Wirtschaftsraum Glarus Gegründet 1928 als Anzeiger vom Gross- und Kleintal Aus dem Linthgebiet 16 Auflage 32 069 Expl. WEMF/SW-beglaubigt Fridolin Druck und Medien Tel. 055 6474747, Fax 055 6474700 E-Mail: fridolin@fridolin.ch www.fridolin.ch LEIT-SATZ Notfalldienste Den Blickwinkel ändern Es gehört zur Krippe, wie das Parkett zur modernen Vierzimmerwohnung, das Heu und das Stroh. Eigentlich müssten Heu und Stroh das Jesuskind ziemlich pieksen, sodass jedes normale Baby weinen würde. Stattdessen aber lächelt der holde Knabe im lockigen Haar selig aus der Wäsche. Genauso widersprüchlich geht es in vielen der alten Weihnachtslieder zu und her: Maria geht durch ihren Dornwald, der dann Rosen trägt, der Reis entspringt aus einer Wurzel zart, und während alles schläft, wacht einsam das hochheilige Paar. Zugegeben, es gibt auch modernere Weihnachtslieder, die von weissen Weihnachten träumen, den Tannenbaum beblättern oder auf klingelnde Glöckchen lauschen, und neuerdings wird an Weihnachten immer wieder das Herz verschenkt – an eine sehr irdische Holde oder einen entsprechenden Holden, mit denen unter dem Mistelzweig in roten Weihnachtsmannmützen und Rentierpullovern rumgeknutscht wird. Diese oft besungene irdische Liebesabhängigkeit hat nichts mit der Liebe zu tun, die im Zentrum des Weihnachtsgeschehens steht. Dieses erzählt von Verwandlung – am deutlichsten bei den Hirten. Diese leben in Armut auf den Feldern, sitzen rund ums Feuer. Als aber die Engel erscheinen, reissen sie sich los aus ihrer Abhängigkeit und der Furcht vor ihrem Meister. Indem sie zur Krippe hinlaufen, erkämpfen sie sich die Freiheit und erkennen im neu geborenen Kind den wahren Herrscher der Welt. Ihre Werte werden umgewertet, ihr Blickwinkel ändert sich, sie erkennen das, was wichtig ist und wenden sich ihren wirklichen Lebenszielen zu. Paul Gerhardt beschreibt das treffend in seinem Weihnachtswiegenlied «Ich steh an deiner Krippe hier». Als er an der Krippe ankommt, kann er sich daran nicht sattsehen. Er erkennt, dass dieses Kind hier ihn gemacht hat und dass es nun, indem es Mensch geworden ist, ein Teil seiner Befreiung wird. Es geht ihm wie den einfachen Hirten: Er ist überwältigt, er kann es gar nicht fassen. Und er fährt fort: «Ach, Heu und Stroh ist viel zu schlecht, Samt, Seide, Purpur wären recht, dies Kindlein drauf zu legen.» Seine erste Reaktion: Das kann doch nicht sein, dieses Heu und Stroh. Genauso geht es den drei Weisen, die ihre Gaben darbringen. Sie werden an der Krippe eines Besseren belehrt. Wie wäre es also, wenn da unter all den Weihnachtsgeschenken, üppigen Menüs und Dekorationen plötzlich Heu und Stroh hervorkämen und uns wach pieksten? ● FJ Die «Könige» an der Weihnachtsfeier von Linth STZ – bevor sie wieder in ihre Heimat zurückkehren. Zu Weihnachten Glarnerland – Morgenland (Foto: Ruedi Kuchen) Hier im Kanton sind sie die Gastarbeiter. Doch in ihrer Heimat sind sie die «Könige», die für ihre Familien Geschenke mitbringen. Der FRIDOLIN unterhielt sich mit Mitarbeitern von Glarner Baugeschäften über die Art, wie sie zu Hause Weihnachten feiern. Sie heissen nicht Kaspar, Melchior und Balthasar, sie heissen Lorenzo, Leander und Arsenio. Sie sind keine Weisen oder Wissenschaftler, sie arbeiten bei Linth STZ oder Trümpi auf dem Bau. Sie bringen weder Gold, Weihrauch noch Myrrhe unter die Christbäume in ihrem Abendland, sondern fernsteuerbare Autos, Wein oder Glarner Alpraclettekäse. Sie kommen weder mit dem Kamel noch mit dem Pferd – ihre Kutschen sind von SEAT oder BMW und haben hundert Pferdestärken. Doch ob sie nun nach Portugal, nach Galicien oder ins Erzgebirge reisen, eines haben sie gemeinsam: Am 13. Dezember geht es für sie aus dem Glarner Morgenland nach Hause in ihre Heimat, dort wo ihre Krippen stehen. Denn sie alle stammen aus Gegenden von Europa, wo das Lohnniveau tief und die Arbeitslosigkeit hoch ist – deshalb kommen sie für neun Monate zu uns auf Schweizer Baustellen. Doch die Weihnachtstage sind für sie das Höchste – denn sie sind im Kreis ihrer Familien. Lorenzo Da ist zuerst Lorenzo aus dem galicischen Städtchen Padrón am Ufer der Ria. Hier machte – der Legende nach – das Schiff fest, welches den Körper des Apostels Jakobus nach Santiago de Compostela brachte. Hier steht eine der Wiegen des Christentums in Europa. Einst ein Wallfahrtsort, leben heute im 8000-Seelen-Ort seine junge Ehefrau Sandra und der kleine Sohn, während Lorenzo für neun lange Monate in Ennenda wohnt, um Geld zu verdienen. Manchmal kommen ihn seine Frau und sein Sohn besuchen und leben mit ihm in der 2-Zimmer- Wohnung. Das ist dann fast wie Weihnachten. Sandra lernt Deutsch und hofft, bald in der Schweiz eine Arbeit zu finden, damit sie mit ihrem Mann zusammen sein kann – das wäre Weihnachten in der Schweiz. Leander Dann ist da der 38-jährige Leander aus dem Erzgebirge. Der gelernte Stahlbetonbauer arbeitet seit 14 Jahren bei Linth STZ und wurde in der Schweiz zum Polier ausgebildet. In seiner Heimat, der Kreisstadt Annaberg-Buchholz lebte der bekannte Rechenmeis - ter Adam Riese. Einst bekannt für den Bergbau – es heisst nicht umsonst Erzgebirge – sind die Fachkräfte aus der Region heute in alle Welt verstreut. Für Leander, der am 13. Dezember in fünfeinhalb Stunden nach Hause zu seinen Eltern und seiner Partnerin fährt, gehört zur Weihnachtsfeier das Mettenspiel, wo man um 24.00 Uhr, in der Heiligen Nacht, Christi Geburt feiert. Mittags zuvor isst man Linsen, das bedeutet: Geld fürs nächste Jahr, abends kommt Gänsebraten mit Klössen und Sauerkraut auf den Tisch. Weltberühmt sind die weihnächtlichen Figuren der erzgebirgischen Volkskunst: das Räuchermännchen, der Nussknacker und das Olbernhauer Reiterlein, die in jedem Fenster unter einem kerzenverzierten Schwibbogen stehen. Am 25. Dezember besucht Leander die Grosseltern, dann wird ausgeruht bis Silvester. Nachher geht’s in die langen Ferien nach Südostasien, wo er mit Motorrad und Rucksack Malaysia bereist, bevor er am 15. Februar 2020 wieder ins Glarnerland kommt. Arsenio Der Dritte in diesem Bunde ist der inzwischen 55-jährige Arsenio aus Vila Real bei Porto, auch er ist bei Linth STZ angestellt. Zusammen mit seiner 10-köpfigen Familie wird an Weihnachten im Dorf gegessen, am 25. geht man in die Kirche, und natürlich ist sein Auto vollgepackt mit Geschenken. Für seinen Enkel hat Arsenio ein Auto dabei, und er erzählt, wie sein Schwiegersohn dem Kleinen vergangene Weihnacht jenes Auto hinstellte, das dieser kaputt gemacht hatte. Als man ihn weckte, sagte der Kleine: «Genau so ein kaputtes Auto habe ich auch!» Und der Schwiegersohn sagte: «Das ist deins. Denn wenn du sie kaputt machst, bekommst du keine Geschenke mehr.» Zwei Tage reist Arsenio ans Weihnachtsfest und weiss doch nicht, ob seine Frau über die Feiertage da sein wird. Denn sie arbeitet in einem Altersheim, und es kann sein, dass sie dieses Jahr Dienst hat. Das wäre hart. Wir vom FRIDOLIN-Team jedenfalls wünschen Ihnen von Herzen das Glück einer frohen und besinnlichen Weihnachtszeit im Kreis von lieben Menschen. ● FJ Hausärztlicher Notfalldienst Täglich 24 Stunden EINWOHNER GLARUS SÜD: 0844 55 66 55 EINWOHNER GLARUS: 0844 44 66 44 EINWOHNER GLARUS NORD: 0844 33 66 33 An Samstagen, Sonntagen und allgemeinen Feiertagen werden die Dienstkreise Glarus Süd und Glarus (Mitte) zusammen geschlossen. Zahnarzt Mittwoch/Donnerstag, 25./26. Dez. 11.00 bis 12.00 Uhr und 17.00 bis 18.00 Uhr Samstag, 28. Dezember 11.00 bis 12.00 Uhr Sonntag, 29. Dezember 11.00 bis 12.00 Uhr und 17.00 bis 18.00 Uhr Der diensttuende Notfallzahnarzt ist über Telefon 1811 zu erfragen. Augenarzt Mittwoch/Donnerstag, 25./26. Dez. Dr.med. Aleš Tilen Mittlere Bahnhofstrasse 8, Lachen Telefon 055 442 20 03 Samstag/Sonntag,28./29. Dezember Vista Klinik Bahnhofstrasse 15, Pfäffikon SZ Telefon 055 55216 66 Tierarzt Mittwoch/Donnerstag, 25./26. Dez. Samstag/Sonntag,28./29. Dezember Tierärztliche Notfallklinik Glarnerland und Umgebung Tierklinik am Kreis AG Zaunweg 11, Netstal Telefon 055 646 86 86 Permanenter Notfalldienst für alle Tierarten Notfallring Landerer/Buchholz Mittwoch/Donnerstag, 25./26. Dez. Kleintierpraxis Landerer Bahnhofstrasse 31a, Näfels Telefon 055 622 20 20 Samstag/Sonntag,28./29. Dezember Kleintierpraxis Buchholz Buchholzstrasse 48, Glarus Telefon 055 640 26 40 Fortsetzung auf Seite 5

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